10 Tipps, die das Lernen erleichtern können

Wie einige von Euch wissen bin ich Studentin. Schon ziemlich lange. Ein Grund, warum sich bei mir vieles so in die Länge gezogen hat ist mit Sicherheit, dass ich das Lernen erstmal lernen musste. Jetzt zum Ende des Studiums habe ich für mich endlich Methoden gefunden, die eine gute Basis schaffen, um nachhaltig und gut lernen zu können. Dieses Wissen möchte ich gerne mit Euch teilen. Natürlich ist jeder Student oder Schüler anders, aber ich denke, dass diese Tipps eine gute Grundlage bilden, die für viele Lerntypen geeignet ist.

Einige  Punkte davon mögen vielleicht banal klingen (und sie sind es auch), dennoch machen wir uns oft gar nicht ausreichend bewusst, wie maßgeblich diese Banalitäten und Rahmenbedingungen sind, wie häufig wir sie übersehen und welch grundlegende Veränderungen Kleinigkeiten schon herbeiführen können!
Die folgenden Tipps beruhen lediglich auf meinen Erfahrungen!

1. Finde deinen eigenen Weg und deine Struktur

Die nachfolgenden Tipps unterliegen alle einem ganz wichtigen Grundprinzip: jeder von uns ist anders, lernt anders, profitiert unterschiedlich von sämtlichen Variablen, denen wir im Lernalltag ausgeliefert sind oder von denen, die wir selbst beeinflussen können. Akzeptiere, dass du in deinen Fähigkeiten, Strategien und auf Grund bereits gemachter Erfahrungen und auch auf Grund deines Umfelds einzigartig bist. Vergleiche dich nicht mit anderen Schülern oder Studenten. Ich weiß, dass das schwer fällt, aber das ist der Schlüssel zu so viel zu einer entspannteren Grundhaltung sich selbst gegenüber.
Andere studieren in nur 8 statt 9 Semestern? Prima, das freut mich für sie. Andere brechen das Studium ab? Sie werden ihre Gründe haben. Der nächste ist schon in Semester 35 und hat drei Mal das Fach gewechselt? Wenn es ihn glücklich macht und das sein Weg ist, warum nicht? Aber das hat alles absolut nichts mit mir zu tun und beeinflusst meine eigenen Handlungen und die Einstellung zu meinem Weg nicht (mehr!) im Geringsten. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich davon abrate, sich mit anderen Leidensgenossen auszutauschen – im Gegenteil! Austausch kann sehr hilfreich sein.

“If you can’t fly then run,
if you can’t run then walk,
if you can’t walk then crawl,
but whatever you do you have to keep moving forward.”
– Martin Luther King Jr –

2. Arbeite zuallererst Altlasten ab!

Ich kenne das von mir: ich steckte in einer Examensprüfung, hatte im Hinterkopf aber noch dieses eine Portfolio oder den Praktikumsbericht von vor 5 Semestern (oder Jahren…), dessen einzige Deadline darin bestand, dass das „bis zur Abschlussprüfung fertig“ sein muss. Für mich war das damals die perfekte Absolution zur Prokrastination. Die Rache kam dann in der Prüfungsvorbereitung, denn mir saßen permanent diese Altlasten im Nacken und haben mich blockiert. Dauernd dachte ich: „Aber du musst ja eigentlich erstmal das Portfolio schreiben und abgeben. Hoffentlich nimmt der Dozent das noch an. Ist der Dozent überhaupt noch an der Uni? Was ist wenn nicht? Oh mein Gott, mein ganzes Studium wird daran scheitern.“ – Diese Gedankenspiralen sind sicherlich dem ein oder anderen von Euch bekannt. Daher mein gut gemeinter Ratschlag von mir als ehemaliger Prokrastinationsexpertin: mach‘ die alten Sachen zuerst fertig oder schau am besten, dass du sie gar nicht erst aufstaust. Die Belastung kann zum Schluss sowohl organisatorisch als auch psychisch immens groß werden – die Energien benötigst du aber für deine Prüfungen! Und was hätte ich mir Zeit und Nerven ersparen können…

3. Finde deine produktive Tageszeit

Eule oder Lerche? Wichtig ist zunächst, dass du dich und deinen Biorhythmus gut kennenlernst. Wenn du das Lernen bis in den Abend hineinschiebst, obwohl du eigentlich ein Morgenmensch bist, dann fehlen dir am Abend letztlich Energie und Aufnahmefähigkeit. Quälst du dich hingegen als Nachmittags-/Abend- oder Nachtlerntyp morgens aus reinem Pflichtbewusstsein an den Schreibtisch und redest dir ein, du müssest ja den ganzen Tag lernen und dürfest bloß keine Zeit verlieren, dann kann ich dir versichern: das funktioniert mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso nicht.
Es gilt: Qualität vor Quantität. Lieber zwei Stunden wach und intensiv lernen, als sich sechs Stunden müde mit einem Redbull am Schreibtisch wachzuhalten und sich durch die Skripte zu quälen. Deine Freunde lernen aber alle am Morgen?
Egal! Wenn du ein anderer Lerntyp mit anderem Biorhythmus bist, dann ist das so. Das darfst du akzeptieren (und ich würde sogar behaupten: du musst es akzeptieren und leben, um erfolgreich und nachhaltig lernen zu können!).

4. Wasser, Wasser, Wasser & Ernährung

Dein Gehirn braucht Treibstoff und damit es optimal funktioniert, solltest du wie beim Auto darauf achten, dass du keinen gepantschten, sondern möglichst effizienten Sprit tankst. Ich habe über Jahre hinweg KEIN Wasser getrunken, bis ich im Frühjahr diesen Jahres ein Selbstexperiment gemacht und eine Woche ganz bewusst auf sämtliche Softdrinks verzichtet habe.
Das Ergebnis für mich ganz persönlich? Ich bin viel wacher und klarer, auch meine Augen fühlen sich ganz anders an und ich habe ein anderes Grundenergielevel. Wasser zu trinken hilft mir auch beim Lernen – ich habe immer ein großes Glas Wasser am Schreibtisch stehen – das hält auf Dauer vitaler als jeder Energydrink. Und ja, natürlich trinke ich auch mal einen Kaffee oder mal einen Softdrink, aber das ist eben nicht die Regel, sondern dient mir nur noch
als Genussmittel.

Natürlich ist auch die Ernährung ein wichtiger Bestandteil.

Wichtig ist, dass du überhaupt isst. Viele Studenten sagen sie hätten weder Zeit sich essen zuzubereiten, noch die Zeit es letztlich zu essen. Ein absolut fataler Fehler in meinen Augen. Euer Gehirn benötigt Nährstoffe, um optimal arbeiten zu können.

Und dann ist natürlich auch wichtig, was du isst. Versuche, dich mit frischer und leichter Kost zu ernähren und die Zuckeraufnahme in Grenzen zu halten. Denn Zucker gibt meist nur einen kurzen Energieschub, der deine Aktivitätskurve aber deutlich schneller wieder abfallen lässt als längeranhaltende Energielieferanten. Schwupps, bist du in einem Teufelskreis und dein Körper verlangt schnell neuen Zuckernachschub. Rapider Zuckerabbau macht übrigens müde und wer müde ist, kann nicht lernen.

5. Mach‘ Pausen!

Wo wir gerade beim Essen sind: gönn dir, deinem Geist und deinem Körper Pausen! Auch wenn es zunächst nicht zeiteffizient erscheint, brauchst du Phasen der Regeneration. Wie lang diese Pausen sind, wie oft du sie machst und wie lang die Arbeitsphasen dazwischen andauern, musst du für dich selber herausfinden. Auch hier gilt für die Arbeitsphase wieder: Qualität vor Quantität. Wenn du dich während des Lernens schon permanent bei dem Gedanken „ich kann nicht mehr/ich müsste mal was essen/mir tut der Rücken weh/ich kann nicht mehr sitzen/…“ erwischst, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass du mal einen cut machen solltest. Und nur, weil du sonst immer zwei Stunden durcharbeiten kannst, aber ausgerechnet heute schon nach einer Stunde in den Seilen hängst, bedeutet es nicht, dass du deinem sonstigen Schema F folgen musst. Nimm es wahr, akzeptier es und erlaube dir zu pausieren. Dein Körper sagt dir in der Regel sehr gut, was er wann braucht. Dafür musst du dich nicht nicht rechtfertigen – weder vor dir selbst, noch vor anderen.

Mach in diesen Pausen etwas, das dir gefällt und Spaß macht. Ganz egal, was das ist. Und denk an die Nahrungsaufnahme 😉

6. Lästige Aufgaben vorab erledigen

Du musst noch Wäsche waschen, den Abwasch machen oder Überweisungen zur Bank bringen? Mach das am besten grundsätzlich, bevor du mit dem Lernen beginnst, denn sonst sitzen dir diese unerledigten Aufgaben den ganzen Tag mit der „ich muss ja noch“-Peitsche im Nacken.

7. Frische Luft und Bewegung

Gönn deinem Körper nach dem statischen Lernen immer mal wieder etwas Bewegung und sorge dafür, dass er ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Geh spazieren, mach Dehnübungen auf dem Balkon oder geh‘ eine Runde mit dem Hund, wenn du einen hast. Sorge außerdem immer wieder für einen gut belüfteten Arbeitsraum!

8. Der richtige Arbeitsplatz

Ich habe früher immer auf dem Sofa gelernt und mochte nicht an Tischen sitzen. Das Rumgelümmel hat mich rückwirkend betrachtet aber unproduktiv und unkonzentriert gemacht – denn mein Unterbewusstsein hat das Sofa natürlich mit „Entspannung“ verknüpft. Seitdem ich meinen Arbeitsbereich von meinem Pausen- und Wohnbereich klar trenne, fällt es mir leichter in den Arbeitsmodus zu gelangen und im Anschluss auch, mich in einer Pause innerlich und räumlich vom Lernen zu distanzieren.

Wie genau du deinen Arbeitsplatz gestaltest, ist natürlich dir selbst überlassen. Ich brauche eine gewisse Ordnung, ende aber manchmal in einem kreativen Chaos. Ich arbeite daran, denn ich merke, dass mir eine strukturierte und ordentliche Lernumgebung dabei hilft, mich auch im Kopf besser strukturieren zu können.
Merke: das Außen spiegelt dein Innen wider. Chaos im Außen macht auch dein Innen unruhig und im Gegenzug hilft dir Ordnung im Außen dabei, dich innerlich zu sortieren.

9. Bekleidung

Genauso wie mit dem Arbeitsplatz habe ich auch bekleidungstechnisch etwas geändert. Ich lerne nicht mehr (oder kaum noch) in meiner Jogginghose und ganz definitiv nicht mehr im Schlafanzug oder meinen Lieblings-herum-wohn-Klamotten. Diese suggerieren mir nämich, genauso wie das Sofa als Lernort, dass ich mich im Freizeitmodus befinde.
Natürlich sitze ich nicht im Ballkleid oder in einer viel zu engen Jeans am Schreibtisch, aber ich bin immer so angezogen, als könnte ich jeder Zeit aufstehen und zur Arbeit gehen (natürlich nur dann, wenn du nebenberuflich nicht Kanalreiniger oder Leistungsschwimmer bist. Ich arbeite in der Regel an Schulen, da reicht ein unkompliziertes Jeans-Shirt-Outfit für gewöhnlich aus ;))
Außerdem: nach einem erfolgreichen Lerntag ist es ein total geniales Gefühl, sich als Belohnung in die kuscheligen Lieblingsklamotten und ausgeleiherten Oversizepullis zu werfen und somit in einen sicht- und fühlbaren Feierabendmodus umzuschalten.

10. Lernpläne und Listen

Macht Euch Listen! Derzeit lerne ich für zwei Prüfungen mit je vier Themen und da muss man sich zwangsläufig etwas organisieren, um nicht völlig den Faden zu verlieren. Strukturiere deine Wochen und eventuell Tage grob vor, setz dir ein realistisches Lernpensum und akzeptiere es, wenn du es mal – aus welchem Grunde auch immer – nicht einhalten kannst. Nicht alles läuft immer nach Schema F und das ist total in Ordnung.

Außerdem: to-do-Listen abhaken macht glücklich!

Ich hoffe, dass hier für den (oder die – sorry, ich bin immer so schrecklich ungenderig unterwegs) ein oder anderen eventuell ein Impuls dabei war, um die Rahmenbedingungen des eigenen Lernen zu überdenken oder probeweise sogar einmal etwas Neues zu testen. Was auch immer derzeit dein Lernprojekt ist: ich wünsche dir ganz viel Erfolg und ein gutes Gelingen!

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