Wenn uns nachts der Tag einholt

Abends, wenn wir im Bett liegen und uns die Stille vor dem Einschlafen einholt, werden die am Tag in Hektik verdrängten Gedanken plötzlich gerne mal ziemlich laut. Sie ergreifen endlich Partei von ihrer Position, partizipieren auf einmal an unserem Leben – ungefragt und ziemlich vorlaut. Sie sorgen dafür, dass man

  – meist bereits halb weggetreten und gemütlich eingekuschelt – nochmal die Augen aufreisst, das Herz in sich selber schlagen hört und schweißausbruchsgefährdet wieder glockenwach senkrecht im Bett sitzt.

Ein lautes „Scheiße“ schrillt durch meinen Kopf, als mir um 23.30h am Pfingstsonntag einfällt, dass ich ja noch bis zum Beginn der Sommerferien die Praktikumsbescheinigung von 2011 benötige. Und das auch noch von einer Schule, die es in ihrer ursprünglichen Form unter dem ehemaligen Namen schon gar nicht mehr gibt…!

Das ist nur eines von vielen Beispielen – leider habe ich diese Momente vor allem in Bezug auf die Uni immer mal wieder und brauchte dringend eine Strategie, damit effizient und achtsam zugleich umzugehen.

Und ich habe für mich eine Methode gefunden, dieser spontan auftretenden Belastung die Macht über mich zu nehmen und in den Schlaf zu finden. Und zwar stelle ich mir folgende Frage:

Was kann ich jetzt in diesem Moment
an der Situation ändern?

In den meisten Fällen lautet die Antwort ganz einfach:
nichts. Und zwar gar nichts.

In der Weiterbildung zum Systemischen Berater setzt man sich sehr häufig mit dem Aspekt des „Hier & Jetzt“ auseinander. Wir leben viel zu sehr im Gestern oder im Morgen.

„Wäre mir das doch bloß früher eingefallen!“
„Schaffe ich es morgen dort anzurufen? Außerdem ist mir das total unangenehm.“ 
„Was ist, wenn ich die Bescheinigung nicht bekomme? Wird das Praktikum dann aberkannt? Verzögert oder gefährdet es gar mein Studium?“ 

Lauter Gedankenspiralen können sich nun bilden – so wie sie es bei mir früher häufig taten und mir schlaflose Nächte bereiteten. Aber all diese Gedanken helfen mir im Hier & Jetzt natürlich überhaupt nicht weiter.

Inzwischen bin ich dazu übergegangen mir diese Gedanken, die mir durch den Kopf schießen, zu notieren damit sie am nächsten Morgen nicht wieder im Alltagsnirvana verschwinden und ertappte mich soeben das erste Mal dabei, meinem Unterbewusstsein für seine Erinnerungsfunktion dankbar zu sein. Ohne die stillen Bettmomente, in denen die Welt um mich herum einfach mal schweigt und alles erledigt scheint, hätte ich vermutlich schon so manche Angelegenheit vergessen.

Nach den Feiertagen rufe ich direkt mal in der Schule an – das steht nun auf meiner Prioritätenliste ganz oben. Mein Unterbewusstsein hat dann abends im Bett immerhin in dieser Angelegenheit auch Feierabend – allerdings lässt sein nächster Auftrag sicherlich nicht lange auf sich warten. Allerdings habe ich keine Angst davor, denn ich habe für mich eine Strategie gefunden, mit diesen Momenten umzugehen.

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